Legal Tech – Was ist das und für wen soll das gut sein?

Legal Tech – Was ist das und für wen soll das gut sein?

iurFRIEND® AG - Düsseldorf - Montag, 30. Januar 2017 //  

Schmunzeln Sie auch manchmal, wenn Sie an früher denken? Erinnern Sie sich zum Beispiel, wie schwierig es war, sich ohne Handy zu verabreden. Ein vergessenes Date konnte im Winter schon mal das Ende einer Liebschaft einleiten. Wenn man so darüber nachdenkt, scheinen seither Jahrhunderte vergangen. Aus der Steinzeit sind wir antilopenartig ins analoge, und von dort ins digitale Zeitalter gehüpft. Und die Entwicklungen erstrecken sich mittlerweile in alle Richtungen. Sie sind wahrscheinlich auf unserer Seite gelandet, weil Sie sich für das Thema Legal Technologie interessieren. Ein Bereich, der erst vor Kurzem Feuer gefangen hat, aber seither wie ein Feuerwerk am Himmel explodiert. Fast wöchentlich leuchtet ein neuer Start-Up-Stern am Himmel und erstaunt mit Ideen und Potenzial. Wir haben im Folgenden die wichtigsten Infos zur Frage „Was ist Legal Tech?“ für Sie zusammengetragen.

Legal Tech ist ein Ausdruck, der zwei Begriffe kombiniert: „Legal Service“ aus dem englischen bedeutet so viel wie „Rechtsdienstleistungen“ und „Tech“ ist die Abkürzung für Technologie. Wie oft in anderen Branchen, kommt diese Schöpfung aus Amerika herübergeschwappt. Deshalb wurde die englische Bezeichnung auch hierzulande übernommen. Eine genaue Definition findet man dabei (noch) nicht. Dazu ist die Entwicklung noch zu jung und die Anwendungsbereiche breit gestreut. Was vielleicht am besten zutrifft, ist eine vage Beschreibung:

Legal Tech ist ein Sammelbegriff für alle technologischen Anwendungen, die im Rechtsbereich verwendet werden. Das können Anwendungen sein, wie zum Beispiel Apps für das Handy oder Tablets; oder Webseiten, die einen bestimmten juristischen Service anbieten.

Innovation kommt dabei vor allem aus der Start-Up Szene. Mit Erfindergeist und Trendgefühl werkeln kluge Köpfe weltweit an Ideen. Dabei kann wohl gesagt werden, dass sich Angebote von Start-Ups, die im Legal Tech Bereich angesiedelt sind, an zwei Gruppen richten. Einerseits bieten diese Produkte für normale Bürger an, andererseits schaffen Sie Inhouse-Lösungen, also Angebote für Kanzleien. Doch bevor wir uns diesen beiden Gruppen zuwenden, ein paar Worte zu Geschichte und Hintergrund von Legal Tech.

Technologien, die sich rund um das Thema Recht ranken, gibt es nicht erst seit kurzem. Streng genommen sind auch viele Anwendungen und Produkte, die in anderen Bereichen genutzt werden, Legal Tech. Ganz einfaches Beispiel: Die elektronische Steuererklärung, die in manchen Fällen den Steuerberater ersetzt. Sogar die E-Mail kann als Technologie gezählt werden, die sowohl für Anwälte als auch deren Mandanten Vorgänge und Kontakte vereinfacht. Und das liegt nun doch schon ein paar Jährchen zurück. Aber grob geschätzt kann von Legal Tech erst seit rund 6 Jahren gesprochen werden. Angefangen hat diese Entwicklung in den USA. Zumindest ist der Begriff Legal Tech seither assoziiert mit der Start-Up Szene. Diese begann ca. 2011 damit, den heimischen Markt kräftig aufzumischen. Eine Marktlücke erkennend, haben einige schlaue Köpfe um diese Zeit herum die ersten Anwendungen entwickelt. Die ersten Investoren wurden schnell gefunden. Immer dem Bratengeruch nach, haben diese, laut CB insights 2011 ca. 91 Millionen USD investiert. Immer ein gutes Zeichen, wenn es um Trends geht. Langsam aber stetig ist die Welle dann auch nach Europa gerollt.

Doch erst im letzten Jahr ist Legal Tech auch in Deutschland so richtig angekommen. Zumindest ist seither auch eine breitere Öffentlichkeit auf Legal Tech aufmerksam geworden. Aber lassen Sie uns einmal genauer in die Bereiche schnuppern, die Legal Tech transformiert.

Ganz anders ausgerichtet sind Legal Tech Anwendungen für Anwälte. Diese sind in erster Linien dazu da, Prozesse innerhalb einer Kanzlei zu vereinfachen. Dazu zählt beispielsweise Software, die Recherchen vereinfacht. Gerade in der amerikanischen Rechtsprechung bringen solche Werkzeuge großen Nutzen. Denn in den Staaten herrscht ein Rechtssystem, das auf Präzedenzfällen aufbaut. Entscheidungen werden nicht an Gesetzen entlang gefällt, sondern vor allem mit vorherigen Richtersprüchen verglichen. Es handelt sich dabei um ein organisches Recht, das aktuelle Veränderungen berücksichtigt, aber zeitgleich auch wesentlich komplexer ist. Dazu kommen unterschiedliche Gesetze in den jeweiligen Bundesstaaten. Um diesen Berg an Informationen leichter zugänglich zu machen, arbeiten derzeit mehrere Start-Ups und Universitäten daran, diese Daten einzuspeisen. Durch eine Suchmaske können dann Urteile gefunden und verglichen werden. Damit ersparen sich Kanzleien viel Arbeit und natürlich Geld. Das können Sie wiederum an ihre Mandanten weitergeben.

In Deutschland gilt ein anderes Rechtssystem. Gesetze dienen bei uns als Grundlage für Entscheidungen. Deshalb macht eine derartige Anwendung in Deutschland weniger Sinn, da Recherchen nicht ganz so knifflig sind. Außerdem spezialisieren sich Anwälte in Deutschland auf ein bestimmtes Thema. Dadurch gibt es eine große Anzahl an Experten, die innerhalb kürzester Zeit wissen, welche Paragraphen sie anwenden müssen.

Hierzulande stehen deshalb eher Anwendungen hoch im Kurs, die den Arbeitsalltag erleichtern. Beispielsweise Software, die das Projektmanagement vereinfacht. Für Start-Ups sind Kanzleien in Deutschland bisher nicht ganz so interessant, wie das in den USA der Fall ist. Das liegt auch daran, dass die Juristerei ein traditioneller Bereich ist und sich viele Anwälte mit Neuerungen schwertun. Das soll aber nicht heißen, dass es hier nicht vorangeht. Der Fortschritt macht vor niemandem halt.

In Europa führt derzeit vor allem Frankreich die Legal Tech Szene an. Erstaunlich, denn Frankreich gilt seit jeher als resistent was Veränderungen anbelangt. Hierfür gibt es jedoch einen einleuchtenden Grund, der auch in allen anderen Ländern für einen Entwicklungsschub sorgt: Start-Ups haben das Potenzial von Legal Tech erkannt. Wie so oft sind Produkte vor allem dann erfolgreich, wenn Sie eine Marktlücke decken. Im Falle von Legal Tech ist diese Lücke eine Wissenslücke. Verbraucher wissen oft nicht, dass sie Ansprüche auf bestimmte Leistungen haben. Ungeprüfte Arbeitsverträge, nicht eingelegte Widersprüche, zu hohe Preise. Die Liste ist lang. Jährlich geht Ihnen auf diese Weise sehr viel Geld verloren. Nutznießer sind Unternehmen und der Staat. Als Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie fahren mit der Bahn. In Würzburg müssen Sie umsteigen, aber der Zug kommt mit einer Stunde Verspätung dort an. Ihr Anschluss ist weg! Wie ärgerlich! Noch vor Kurzem hätten Sie sich wahrscheinlich überlegt, ob sich der Aufwand lohnt, eine Entschädigung zu beantragen. Mittlerweile können Sie das innerhalb kürzester Zeit erledigen. Sogar per App mit dem Handy. Da Entschädigungen auch bei Unwetter gezahlt werden, lohnt sich dieser Service ungemein. Gewinner sind am Ende Sie und nicht mehr die Bahn. Bisher war es nur wenigen Menschen bewusst, dass es sich lohnt, Entschädigungen zu beantragen. Start-Ups haben aber geschickte Werbestrategien. Auf diese Weise erhalten immer mehr Menschen Informationen über neue Entwicklungen und nehmen diese auch in Anspruch. Dadurch wird Staub aufgewirbelt und weitere Start-Ups springen auf. Ein Perpetuum mobile ist angefacht, dass die Entwicklung vorantreibt und immer bessere Projekte zu Tage fördert.

Als Legal Business Unternehmer haben wir bereits vor vielen Jahren gewusst, dass die Zeit der Transformationen auch im doch stark verkrusteten Bereich des Legal Business‘ kommen würde. Zu offensichtlich und zu lange sind die Missstände im Rechtsbusiness unter den Teppich gekehrt worden, haben Lobbyisten alles totgeprügelt, was als Neuerung am Horizont erschien. Warum?

  1. Noch bis heute wird der Mandant zu häufig finanziell ausgenommen, egal ob als Privatperson, Privatier oder Unternehmen. Wirklich niemand kann ein Anwaltshonorar nachvollziehen. Die meisten trauen sich auch nicht, genauer und härter nachzufragen. Haben Sie schon einmal mit einem Anwalt über eine Kostenrechnung gesprochen? Viel Spaß!
  2. Noch bis heute ist der Rechtsanwalt im Mittelpunkt des Geschehens und nicht der Kunde. Sehr häufig haben die meisten Anwälte ein gottähnliches Selbstverständnis und legen ein Verhalten an den Tag, das den heutigen Kundenwünschen diametral entgegensteht. Der Kunde ist beim Anwalt Mandant und ist ihm ausgeliefert, hat er erst einmal eine Vollmacht unterschrieben!
  3. Menschen gehen grundsätzlich nicht gerne in eine Anwaltskanzlei. Der professionelle Kontakt zu Anwälten wird vermieden. Das gilt für Individuen genauso wie für Unternehmen, die mittlerweile eigene Rechtsabteilungen als Alternative aufbauen. Wer die Klinke einer Kanzlei herunterdrückt, zahlt. Wer eine Frage einem Anwalt stellt, zahlt. Wenn der Anwalt Sie anruft, zahlen Sie. Wenn Sie etwas vom Anwalt bekommen (Brief, Email oder was auch immer), dann bedeutet diese zumeist nichts Positives.

Kurzum, die tradierten Kanzleien und vor allem die Anwälte als Einzelkämpfer werden in Zukunft Probleme bekommen. Wenn die potentiellen Kunden bemerken, dass Rechtsbusiness auch anders funktionieren kann, kundenfreundlicher, transparenter, empathischer und ehrlicher, dann werden automatisch die Regeln der Marktwirtschaft greifen.

Ändert sich gerade etwas bei den Kanzleien und in den Köpfen der Anwälte? Bei einigen bestimmt. Bei den meisten immer noch nicht. Sie halten am – in der 10jährigen Ausbildung eingetrichterten – Standesdünkel nach wie vor so stark fest, dass die nicht mehr aufzuhaltende Evolution zu einer Revolution werden kann.

Das gilt nicht nur für die vielen neue Ideen im Legal Business Bereich. Das gilt, und dies sieht kaum jemand, vor allem für das noch zementierte Selbstverständnis, dass (fast) alles Rechtliche auch durch Rechtsanwälte geregelt werden muss:

  1. Was wäre, wenn Paralegals viele Dinge mindestens genauso gut bearbeiten, als das heute noch Rechtsanwälte tun (müssen)?
  2. Was wäre, wenn in einem Unternehmen angestellte Anwälte ihrer Tätigkeit nachgehen dürften, ähnlich wie sie jetzt noch als Einzelkämpfer aus dem Wohnzimmer nachgehen müssen?
  3. Was wäre, wenn zusätzlich zur reinen juristischen Dienstleistung mehr und mehr Persönlichkeitsaspekte, Psychologieaspekte, Marketingaspekte, Vertriebsaspekte, Charakterschulungen, Kostentransparenzaspekte und insgesamt Aspekte, die die Kundenzufriedenheit zu erhöhen in der Lage sind, Einzug in eine holistische Rechtsdienstleistung nehmen?

Was würde passieren, wenn ein Legal Business Unternehmen nicht nur immer neue Rechtsprodukte zum Vorteil der Kunden kreiert, sondern parallel Strukturen aufbaut, so dass -sobald rechtlich möglich- angestellte Rechtsanwälte freundlich, fachlich kompetent, empathisch und hervorragend auffindbar im Internet sich 100% den Kundenbedürfnissen widmen können?

Wir sehen das Rechtsbusiness als Dienstleistung für die Kunden. Wir dienen und leisten. Wir bieten Mehrwert für die Menschen, die rechtliche Antworten suchen. Wir verstecken uns nicht hinter Phrasen, mit denen man Kunden verschreckt und die für potentielle Kunden nichtssagend sind. Ist der Kunde zufrieden, sind wir es auch. Er empfiehlt uns weiter und kauft später andere Rechtsprodukte, die er benötigt. Unsere neue Art des Rechtsbusiness‘ passt besser zum Leben der rechtssuchenden potentiellen Kunden!

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Die wichtigsten Infos zur Frage „Was ist Legal Tech?“